{"id":452,"date":"2025-01-19T19:22:53","date_gmt":"2025-01-19T19:22:53","guid":{"rendered":"https:\/\/mghaugsdorf.at\/geschichte\/?page_id=452"},"modified":"2025-02-02T16:19:19","modified_gmt":"2025-02-02T16:19:19","slug":"lausbubenstreiche","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/mghaugsdorf.at\/geschichte\/?page_id=452","title":{"rendered":"Lausbubenstreiche"},"content":{"rendered":"\n<p>Zu Beginn des vorigen Jahrhunderts war es gang und g\u00e4be, dass Jugendliche, aber auch die \u00c4lteren anderen Streiche spielten. Ganz nach dem Motto &#8222;Dem moch ma jetzt wos z\u00b4flei\u00df!&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>In Haugsdorf zog einmal eine Gruppe Jugendlicher nachts durch die Feldgasse. Da entdeckten sie einen &#8222;Loatawogn&#8220;, der &#8222;aufg\u00b4loatert&#8220; war. (Man erh\u00f6hte die Wagen bei der Ernte mit zus\u00e4tzlichen Leitern, um mehr transportieren zu k\u00f6nnen.) Diese &#8222;Loatan&#8220; wurden von den Burschen aus Jux wieder abmontiert. Die Freude \u00fcber diesen Streich w\u00e4hrte allerdings nicht lange. Denn der Nachtw\u00e4chter Hoschek kam des Weges, schwang seinen Stock und meinte: &#8222;Buama, Buama, i sog enk wos! In der Friah is der Wogn wieder so wie a g\u00b4west is! Pfiat enk God&#8220;. Es stellte sich heraus, dass er das Treiben die ganze Zeit beobachtet hatte und erst nach getaner Arbeit eingeschritten war.<\/p>\n\n\n\n<p>Bei der Schmiede stand einmal ein gro\u00dfer Pferdeschlitten. Jugendliche zogen ihn die Gro\u00dfe Kellertrift hinauf, sausten mit ihm dann wieder herunter und landeten schlie\u00dflich im Graben.<\/p>\n\n\n\n<p>Vor der Weinberger Schmiede standen immer allerlei Ger\u00e4tschaften. Da beschlossen ein paar Jugendliche, diese in der ganzen Ortschaft zu verteilen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Winter waren damals noch schneereich und so kam es vor, dass in der Nacht zum Sonntag Tore oder Fenster von bestimmten H\u00e4usern mit Schnee zugeschaufelt wurden. Am n\u00e4chsten Morgen wollten die Hausleute in die Kirche gehen, kamen aber nicht beim Tor hinaus.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Gaisberg war sehr beliebt zum Rodeln. Als die Burschen aber die M\u00e4dchen nicht mitmachen lie\u00dfen, r\u00e4chten sich diese. Sie verstopften mit Zeitungsst\u00fccken die Schl\u00fcssell\u00f6cher ihrer Haustore, sodass die Buben beim Heimkommen ihre Tore nicht aufsperren konnten. Der Toni war schlau und z\u00fcndete die Zeitung an, aber der Hansl versuchte von Hintaus \u00fcbers Dach hineinzukommen. Sein Vater glaubte, er w\u00e4re ein Einbrecher und erwartete ihn schon, als er vom Dach herunterkam.<\/p>\n\n\n\n<p>Einmal marschierten die Auggenthaler Burschen um 2 Uhr in der Fr\u00fch vom Kellerberg nachhause. Bei Herrn Hanke klopften sie an und fragten: &#8222;Herr Hanke, wir haben es schon &#8222;gn\u00e4dig&#8220;, weil wir m\u00fcssen noch den Zug erreichen. K\u00f6nnen Sie uns sagen, wie sp\u00e4t es ist?&#8220; Herr Hanke bot sich an, auf der K\u00fcchenuhr nachzusehen. Die Burschen bedankten sich und gingen weiter. Als sie beim n\u00e4chsten Mal wieder vorbeikamen, beschlossen sie, den Herrn Hanke wieder &#8222;au\u00dfaz\u00b4haun&#8220;. Doch der gute Mann \u00f6ffnete nur das Fenster und rief: &#8222;Rotzlampeln, verschwinds! Hoits mi net wieder fianarrn!&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcrs &#8222;Fensterln&#8220; brauchte man nicht immer die lange Vorstadl-Leiter, manchmal kam man auch mit einer R\u00e4uberleiter ans Ziel. Wenn man dann aber ans falsche Fenster klopfte und der Gro\u00dfvater \u00f6ffnete, dann durfte man sich nicht wundern, wenn der seinen Nachttopf \u00fcber die ungebetenen G\u00e4ste leerte.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Federnschlei\u00dfen inspirierte immer wieder die Burschen dazu, Streiche zu spielen. Es reichte schon, die T\u00fcr zur K\u00fcche zu \u00f6ffnen, wo alle Frauen um einen Tisch sa\u00dfen und die Federkiele entfernten. Der entstandene Luftzug wirbelte alle Federn durcheinander und brachte die Frauen zur Verzweiflung. Vor allem der &#8222;Federhahn&#8220;, der nach getaner Arbeit gefeiert wurde, reizte zu Lausbubenstreichen. Die Auggenthaler Burschen kletterten zum Rauchfang hinauf, l\u00f6sten einen Dachziegel und legten ihn darauf. Sie hofften, dass sich dadurch der Rauch in der K\u00fcche, wo alle bei Kaffee und Kuchen sa\u00dfen, verbreitete. Als aber niemand aus dem Haus kam, nahmen sie den Ziegel entt\u00e4uscht wieder herunter.<\/p>\n\n\n\n<p>Karl Baumgartner war jahrzehntelang der &#8222;Gl\u00f6ckner von Auggenthal&#8220;. Auch er bleib nicht von Streichen verschont. Eines Nachts wickelten die Burschen den Kl\u00f6ppel der Glocke mit einem Jutesack ein. Beim L\u00e4uten in der Fr\u00fch erklang diese nur sehr dumpf. Herr Baumgartner brauchte nicht lange nach den \u00dcbelt\u00e4tern zu suchen, war doch auf dem Sack der Name des Besitzers gedruckt. So mussten alle zum Auggenthaler B\u00fcrgermeister B\u00f6ck, der den Burschen die Leviten las.<\/p>\n\n\n\n<p>Auch die &#8222;Fenstergeige&#8220; z\u00e4hlte zu den Lausbubenstreichen. Mit einem Rei\u00dfnagel wurde eine Band am Fensterrahmen befestigt. Strich man mit Saupech oder Kolophonium dar\u00fcber, begann die Scheibe zu beben. Bis die Hausbesitzer dahinterkamen, was die Ursache f\u00fcr das Scheppern war, waren die Burschen schon \u00fcber alle Berge.<\/p>\n\n\n\n<p>In den 50iger Jahren wurde der Friedhof am Abend immer abgesperrt. Der Friedhofg\u00e4rtner und Totengr\u00e4ber Baumgartner ging bei Anbruch der Dunkelheit noch seine Runde und schloss dann beide Tore ab. Zu Allerheiligen spielten zwei Burschen den Friedhofbesuchern aber einen gruseligen Streich. Sie befestigten auf dem Baum neben dem gro\u00dfen Kreuz einen &#8222;Bluza&#8220;, dem sie ein wei\u00dfes Tuch umh\u00e4ngten. Mit viel Gebr\u00fcll lie\u00dfen sie diesen Geist \u00fcber die K\u00f6pfe der ver\u00e4ngstigten Friedhofsbesucherinnen schweben.<\/p>\n\n\n\n<p>Aber auch die M\u00e4dchen waren nicht immer brav. Im Juni, als die Kirschen reif waren, klopfte es sp\u00e4tnachts am Fenster eines M\u00e4dchens. Drau\u00dfen standen einige Burschen. Es brauchte nicht viel \u00dcberredungskunst, und das M\u00e4dchen kletterte aus dem Fenster und beteiligte sich am n\u00e4chtlichen &#8222;Kirschen-Fladern&#8220;. Scheinbar unbemerkt kletterte es sp\u00e4ter wieder zur\u00fcck in ihr Zimmer. Doch die ersten Worte der Mutter am Morgen zeugten vom Gegenteil: &#8222;Wo wors\u00b4d denn du?&#8220; Jetzt hie\u00df es Farbe bekennen und die anschlie\u00dfende Moralpredigt zu \u00fcberstehen.<\/p>\n\n\n\n<p>Der &#8222;Maisteig&#8220; brachte fr\u00fcher so manche M\u00e4dchen zur Verzweiflung. Vor allem wenn der Vater sie mitten in der Nacht aus dem Bett holte, damit sie sofort mit B\u00fcrste und Wasser die mit Kalk geschriebenen Spr\u00fcche wegschrubben konnten. Im Jahr darauf hatten die Burschen &#8222;Mitleid&#8220; mit den beiden Schwestern. Um ihnen die Schrubberei zu ersparen, beklebten sie das Fenster ihres Zimmers mit Seiten aus den Bravo-Heften. Jetzt hie\u00df es Fensterputzen am 1. Mai, und die Burschen kamen mit ihren Fahrr\u00e4dern vorbei, um das Spektakel zu beobachten.<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn sich Kinder ein kleines Geschwisterchen w\u00fcnschten, riet man ihnen, Zucker auf das Fensterbrett zu legen. Der Storch w\u00fcrde sich dann den Zucker holen und ein kleines Br\u00fcderchen oder Schwesterchen da lassen. Diese Idee griffen einige Burschen auf. Sie holten eine lange Leiter und best\u00fcckten die Fenster von f\u00fcnf Schwestern mit je einer Zuckerr\u00fcbe.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zu Beginn des vorigen Jahrhunderts war es gang und g\u00e4be, dass Jugendliche, aber auch die \u00c4lteren anderen Streiche spielten. Ganz nach dem Motto &#8222;Dem moch ma jetzt wos z\u00b4flei\u00df!&#8220; In Haugsdorf zog einmal eine Gruppe Jugendlicher nachts durch die Feldgasse. Da entdeckten sie einen &#8222;Loatawogn&#8220;, der &#8222;aufg\u00b4loatert&#8220; war. 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