{"id":351,"date":"2025-01-18T08:43:41","date_gmt":"2025-01-18T08:43:41","guid":{"rendered":"https:\/\/mghaugsdorf.at\/geschichte\/?page_id=351"},"modified":"2025-01-21T15:29:49","modified_gmt":"2025-01-21T15:29:49","slug":"kinder-und-jugendzeit","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/mghaugsdorf.at\/geschichte\/?page_id=351","title":{"rendered":"Kinderspiele fr\u00fcher"},"content":{"rendered":"\n<p><\/p>\n\n\n\n<p>Der Kaiserpark war in den fr\u00fchen F\u00fcnfzigerjahren ein Paradies f\u00fcr Kinder. V\u00f6llig verwuchert verbarg er geheime Pl\u00e4tze und Pfade, die geradezu zum Spielen und Verstecken einluden. Besonders Mutige sausten mit den Fahrr\u00e4dern durch diese Wildnis, und weil die R\u00e4der eigentlich viel zu gro\u00df waren \u2013 Kinderfahrr\u00e4der gab es nicht \u2013 fuhr man \u201e<strong>gr\u00fchaxat<\/strong>\u201c, geb\u00fcckt unter der Stange.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein beliebtes Ballspiel war \u201e<strong>Dochruafassn<\/strong>\u201c, bei dem ein Ball aufs Dach geworfen und dabei ein Name gerufen wurde. Das genannte Kind musste den Ball, wenn er wieder herunterkam, auffangen.<\/p>\n\n\n\n<p>Auch das \u201e<strong>Anm\u00e4uerln<\/strong>\u201c war sehr beliebt. Der Ball wurde gegen eine Mauer gespielt und musste gefangen werden: 10 x mit beiden H\u00e4nden, 9 x mit der rechten Hand, 8 x usw..<br>Misslang ein solches Kunstst\u00fcck, musste man wieder von vorne beginnen.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein anderes \u201e<strong>Anm\u00e4uerln<\/strong>\u201c war das mit den 10-Groschenm\u00fcnzen, die aus Aluminium waren.<br>Sie wurden in Bodenn\u00e4he gegen eine Wand geworfen. Der Spieler, dessen M\u00fcnze am n\u00e4chsten bei der Mauer liegenblieb, durfte die \u00fcbrigen an sich nehmen und musste sich zwischen \u201eKopf (= Zahl) oder Adler\u201c entscheiden. Nun warf er alle M\u00fcnzen in die Luft und konnte sich die entsprechenden behalten. Der zweitbeste Werfer warf nun die restlichen M\u00fcnzen nach demselben Verfahren.<br>Eine andere Art des \u201eAnm\u00e4uerln\u201c war es, die M\u00fcnze so zu werfen, dass sie an der Mauer angelehnt zum Stehen kam.<\/p>\n\n\n\n<p>Bei der Spielvariante <strong>\u201eStrich\u201c<\/strong> galten dieselben Regeln, nur wurde gegen einen am Boden gezogenen Strich geworfen.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p>Am Hauptplatz spielten die Buben \u201e<strong>Schnax<\/strong>\u201c.<br>Lois Schiferl erkl\u00e4rt in seinem Buch \u201eDer Bub\u201c das Spiel folgenderma\u00dfen:<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1011\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/mghaugsdorf.at\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2025\/01\/SPiel-Schnax-1-1011x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-468\" srcset=\"https:\/\/mghaugsdorf.at\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2025\/01\/SPiel-Schnax-1-1011x1024.jpg 1011w, https:\/\/mghaugsdorf.at\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2025\/01\/SPiel-Schnax-1-296x300.jpg 296w, https:\/\/mghaugsdorf.at\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2025\/01\/SPiel-Schnax-1-768x778.jpg 768w, https:\/\/mghaugsdorf.at\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2025\/01\/SPiel-Schnax-1.jpg 1195w\" sizes=\"auto, (max-width: 1011px) 100vw, 1011px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p>\u201e<strong>Peitschenkreiseln<\/strong>\u201c war bei den Buben sehr beliebt: Ein Holzkreisel wurde mit einer Peitsche (Stab mit Schnur) in Schwung gebracht. Durch weitere \u201ePeitschenhiebe\u201c versuchte man, den Kreisel m\u00f6glichst lange in Bewegung zu halten.<\/p>\n\n\n\n<p>Beim \u201e<strong>Pfl\u00f6ckeln<\/strong>\u201c stellten sich die Spieler im Kreis um das Spielfeld (ca. 1 x 1 m) auf. Der Boden sollte feucht sein, damit er gen\u00fcgend weich war. <br>Jeder Spieler warf seinen Pflock &#8211; dieser musste selbst angefertigt worden sein und maximal die Kniel\u00e4nge des jeweiligen Spielers erreichen &#8211; so in das Spielfeld, dass dieser in der Erde stecken blieb.<br>Reihum versucht nun in der ersten Runde jeder Spieler seinen Pflock m\u00f6glichst fest und sicher in die Erde zu bringen.<br>Ab der zweiten Runde galt es, andere Pfl\u00f6cke aus dem Spiel zu werfen. Man versuchte, seinen eigenen Pflock so zu werfen, dass er in der Erde stecken blieb, der gegnerische Pflock jedoch umfiel. Der N\u00e4chste, der an der Reihe war, konnte nunmehr auf den liegenden Pflock zielen, ber\u00fchrt er ihn mit seinem Pflock und steckte sein eigener Pflock in der Erde, war der liegende Pflock aus dem Spiel.<br>Ein Rauswurf ging somit grunds\u00e4tzlich nur in 2 Schritten:<br>Ein Spieler wirft den Pflock um, ein anderer bef\u00f6rdert ihn aus dem Spiel.<br>Wirft jedoch ein Spieler einen anderen Pflock nicht nur um, sondern auch gleichzeitig aus dem Spielfeld, ist der gegnerische Pflock sofort ausgeschieden \u2013 sofern nat\u00fcrlich der eigene Pflock des Angreifers in der Erde stecken bleibt.<\/p>\n\n\n\n<p>Waren nur mehr zwei Spieler im Spiel, kam man, wenn man den anderen Pflock umgeworfen hatte, nochmals an die Reihe, um diesen endg\u00fcltig hinauszuwerfen.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p>Ein beliebtes Pausenspiel war <strong>\u201ePfitschigogerln\u201c<\/strong>, das auf den Sch\u00fclertischen gespielt wurde. Auf den Schmalseiten wurde jeweils ein Tor aus zwei M\u00fcnzen (Abstand von 5,5 cm) aufgelegt. Jeder Spieler hatte eine gro\u00dfe M\u00fcnze und eine kleinere M\u00fcnze lag als \u201eBall\u201c auf der Mittellinie. Mit einem Lineal schubste der Spieler seine gro\u00dfe M\u00fcnze so an, dass sie die kleine M\u00fcnze traf und diese im besten Fall ins Tor bef\u00f6rderte.<\/p>\n\n\n\n<p>Anmerkung: Pfitschigogerl, auch Fitschigogerl ist ein \u00f6sterreichisches Dialektwort. \u201ePfitschen\u201c bedeutet schnell (siehe \u201ePfitschipfeil\u201c). <br>\u201eGogerl\u201c kommt von \u201eGagel\u201c, was einen runden Gegenstand (auch Exkremente) bezeichnet.<\/p>\n\n\n\n<p>Bei der Variante ohne Tor wurde mit drei M\u00fcnzen gespielt. Mit dem Lineal versuchten die Spieler eine der drei M\u00fcnzen durch den Zwischenraum der anderen beiden hindurchzuschubsen.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Taschenfeitel werfen<\/strong><br>Bei diesem Spiel hielten die Burschen zun\u00e4chst ihren Taschenfeitel an der Spitze der Schneide und warfen ihn dann mit Schwung so hoch, dass er sich einmal drehte und schlie\u00dflich mit der Spitze ins Holz bohrte. Da dies ein beliebtes Pausenspiel war, wurden die Schulb\u00e4nke ganz ordentlich in Mitleidenschaft gezogen.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr das \u201e<strong>Kugerlscheiben<\/strong>\u201c machte man eine kleine Mulde in den Boden. Alle Spieler stellten sich hinter eine Linie, von wo aus sie das Kugerl in die Mulde zu rollen versuchten. Traf jemand hinein, durfte er alle Kugerl kassieren, die es nicht ins Ziel geschafft hatten. Die Kugerl wurden h\u00e4ufig aus nassem Lehm geformt und getrocknet.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Kaiserpark war in den fr\u00fchen F\u00fcnfzigerjahren ein Paradies f\u00fcr Kinder. V\u00f6llig verwuchert verbarg er geheime Pl\u00e4tze und Pfade, die geradezu zum Spielen und Verstecken einluden. 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