{"id":1120,"date":"2026-03-01T17:59:17","date_gmt":"2026-03-01T17:59:17","guid":{"rendered":"https:\/\/mghaugsdorf.at\/geschichte\/?page_id=1120"},"modified":"2026-03-05T20:09:54","modified_gmt":"2026-03-05T20:09:54","slug":"essen-und-trinken","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/mghaugsdorf.at\/geschichte\/?page_id=1120","title":{"rendered":"Fleischgerichte"},"content":{"rendered":"\n<p>Schweine- und Rindfleisch hatte man fr\u00fcher eigentlich nur im Winter zur Verf\u00fcgung, da die Au\u00dfentemperaturen eine l\u00e4ngere Lagerung erm\u00f6glichten. Kam im Sommer Fleisch auf den Tisch, dann stammte es vorwiegend von Kleintieren, die nach Bedarf abgestochen wurden. H\u00fchner, Hasen, Kaninchen, aber auch Tauben wurden serviert.<br><em>Erinnerungen an fr\u00fcher: Wenn die Wiener Verwandtschaft ihren Besuch ank\u00fcndigte, musste die kleine Traude mit einer Leiter auf den Taubenkogel hinaufklettern, um Tauben herunterzuholen. Die V\u00f6gel wurden geschlachtet, gerupft und anschlie\u00dfend im Backofen gebraten. Da Tauben nicht so gro\u00df waren, bekam jeder eine zum Essen.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Wurden Hasen geschlachtet, h\u00e4ngte man die toten Tiere am Schdodltor auf und zog ihnen das Fell ab. Dieses wurde mit Stroh ausgestopft und zum Trocknen aufgeh\u00e4ngt. Ein Fellh\u00e4ndler holte sie dann mit seinem Moped, von dem \u00fcberall die Hasenfelle hingen, ab. Wenn er durch die Ortschaft fuhr, rief er laut: &#8222;Hosnheidln, Hosenheidln!&#8220; Auch zum Wasserbauer und zum Kallenda, zwei in Haugsdorf ans\u00e4ssige Fellh\u00e4ndler,  konnte das Hosnf\u00f6 gebracht werden. Man bekam ein paar Schillinge daf\u00fcr. Aus den Fellen wurden Kleidungsst\u00fccke (Hauben, Futter f\u00fcr Stiefel,&#8230;), aber auch Decken als Bettauflage oder f\u00fcr Kutschfahrten gemacht.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Fr\u00fchjahr und Herbst wurden die Enten und G\u00e4nse geschlachtet. Konnte man ihre Fl\u00fcgel an deren R\u00fccken kreuzen, waren sie gro\u00df genug zum Schlachten. Beim Ausbluten der Tiere hielt man sie \u00fcber Semmeln, aus denen man anschlie\u00dfend einen Sterz zubereitete.<\/p>\n\n\n\n<p>Beim Abstechen des Gefl\u00fcgels kam es \u00f6fters vor, dass die bereits gek\u00f6pften Tiere noch eine Runde drehten, bis sie umfielen.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Erinnerungen: Vor Ostern wurden die jungen Goassln (=Ziegen) geschlachtet, die in ihrer Todesangst Laute wie ein kleines Kind von sich gaben. Die Kinder, die vorher mit den kleinen &#8222;Lamperln&#8220; gespielt hatten, vergossen bei der Schlachtung oft bittere Tr\u00e4nen und es war ihnen nicht m\u00f6glich, deren Fleisch zu verspeisen.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Beischl \/ Beuschel<\/strong><br>Aus Lunge, Herz, Zunge etc. wird das Beischl zubereitet. Die R\u00f6hrchen aus der Lunge m\u00fcssen dazu entfernt werden. Alles wird in kleine St\u00fccke geschnitten und mit Zwiebel, Suppengem\u00fcse und Gew\u00fcrzen geschmort. Aus dunkler Einbrenn und ev. Sauerrahm entsteht eine gebunden So\u00dfe. Manchmal wird auch etwas Blut hinzugef\u00fcgt. Dazu gibt es Semmelkn\u00f6del.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Blunzn \/ Blutwurst<\/strong><br>Am Tag des Abstechens muss auch gleich die Blunzn zubereitet werden. <br>Gekochtes Kesselfleisch, Schwadln \/Schwarten und R\u00fcckenspeck werden faschiert und anschlie\u00dfend mit dem noch warmen Blut vermischt und mit Salz, Pfeffer, Majoran und ger\u00f6stetem Zwiebel gew\u00fcrzt. Diese Masse f\u00fcllt man in gereinigte Saud\u00e4rme und kocht sie anschlie\u00dfend. Das Kochwasser wird als Blunznsuppe verspeist, wobei man beim Kochen schon mal eine Blunzn anstechen kann, damit die Suppe schmackhafter wird. W\u00e4hrend des Kochvorgangs gerinnt das Blut und die Blunzn wird fest.<br>Die Blunzn kann kalt gegessen werden oder man bereitet daraus &#8222;Blunzngr\u00f6stl&#8220;, das mit Erd\u00e4pfelsterz und Sauerkraut gegessen wird.<br>Schaurige Erinnerungen ans Blunznmachen: &#8222;<em>Meine Mutter stand mit aufgekrempelten \u00c4rmeln vor der Wanne, die mit den Zutaten gef\u00fcllt war. Mit blo\u00dfen H\u00e4nden verr\u00fchrte sie alles miteinander. Dabei wurden ihre Unterarme mit dem Schweineblut bespritzt. Beim W\u00fcrzen kostete sie immer wieder die rohe Masse, was mich erschaudern lie\u00df.&#8220;<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Bruchfleisch<\/strong><br>Die <strong>Innereien<\/strong> Lunge, Herz, Leber und Milz werden beim Zerlegen des Rindes herausgenommen (=gebrochen). Die Zubereitung ist wie beim Beuschel.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Flaxn&#8220; = Sehnen, Fleischst\u00fcck mit &#8222;Flaxn&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Gruspin&#8220; &#8211; Knorpel, Speck mit &#8222;Gruspin&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Fleisch &#8222;einrexen&#8220;<\/strong><br>Um Fleisch fr\u00fcher l\u00e4nger haltbar zu machen, wurden gro\u00dfe St\u00fccke davon angebraten, anschlie\u00dfend in Einmachgl\u00e4ser (=REX-Gl\u00e4ser) gelegt und mit hei\u00dfem Fett \u00fcbergossen. Das erkaltete Fett verschloss das Fleisch luftdicht, wodurch sich das Verderben verz\u00f6gerte.<br>Beim Abk\u00fchlen entstand au\u00dferdem ein Unterdruck, der das Glas luftdicht verschloss. <\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-28f84493 wp-block-columns-is-layout-flex\">\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\">\n<p>Auch Dosen wurden f\u00fcr dieses &#8222;Schmalzfleisch&#8220; verwendet. <br>Bild: Mithilfe einer solchen Maschine wurden Deckelrand und Dosenrand ineinander <strong>gefaltet und mehrfach umgeb\u00f6rdelt<\/strong>.<\/p>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\">\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"725\" src=\"https:\/\/mghaugsdorf.at\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/Dosenmaschine-1024x725.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1139\" srcset=\"https:\/\/mghaugsdorf.at\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/Dosenmaschine-1024x725.jpg 1024w, https:\/\/mghaugsdorf.at\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/Dosenmaschine-300x213.jpg 300w, https:\/\/mghaugsdorf.at\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/Dosenmaschine-768x544.jpg 768w, https:\/\/mghaugsdorf.at\/geschichte\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/Dosenmaschine.jpg 1358w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n<\/div>\n<\/div>\n\n\n\n<p><strong>Katzengeschroa<\/strong><br>Die Zutaten f\u00fcr dieses typische Essen am Abstechtag variieren. Stichfleisch, Leber, Bries, Majoran, Zwiebel und nat\u00fcrlich Salz und Pfeffer sind die Hauptbestandteile.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Lungenstrudel<\/strong><br>Aus der Lunge macht man einen Lungenstrudel, der als Suppeneinlage gegessen wird.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Presswurst<\/strong><br>Zuerst werden die geputzten Schwarten mit Gew\u00fcrzen gekocht. Die Suppe, die dadurch entsteht, beinhaltet Gelatine. &#8222;Sch\u00f6nes&#8220; Fleisch wird gekocht, gew\u00fcrfelt und mit Gew\u00fcrzen und dieser Suppe in einen dicken Darm oder in den gereinigten Magen gef\u00fcllt. Anschlie\u00dfend wird diese &#8222;Wurst&#8220; in einen Form gelegt und oben beschwert\/ gepresst. In den ersten Stunden muss sie immer wieder gewendet werden. Dann l\u00e4sst man sie in Ruhe, bis die enthaltene Gelatine fest geworden ist.<br>Im Lagerhaus konnte man fr\u00fcher auch einen &#8222;Plastikdarm&#8220; kaufen, der zum F\u00fcllen der Presswurst verwendet wurde.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Selchen<\/strong><br>Speck oder <em>Gs\u00f6chds <\/em>(=Geselchtes) wird, nachdem es vorher gesurt wurde, in der eigenen &#8222;S\u00f6ch&#8220; (=Selchkammer) oder beim Fleischhauer <em>gs\u00f6chd<\/em>, also ger\u00e4uchert. Dazu werden meist die Sp\u00e4ne von Buchenholz verwendet, das nur langsam vor sich hin glosen d\u00fcrfen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Stichfleisch<\/strong><br>Damit meint man das Fleisch rund um die Einstichstelle am Hals des Tieres.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Surfleisch<\/strong><br>Um das Fleisch l\u00e4nger haltbar zu machen, wird es gesurt (gep\u00f6kelt). Die mit Salz eingeriebenen Fleischst\u00fccke und verschiedene Gew\u00fcrze werden in den Staunta (= Surfass) geschichtet, der mit einem Holzdeckel verschlossen wird. Darauf kommen gro\u00dfe Steine, die den Eigensaft des Fleisches herauspressen und f\u00fcr eine regelm\u00e4\u00dfige P\u00f6kelung sorgen. Nach ungef\u00e4hr 2 bis 4 Wochen &#8211; je nach Jahreszeit &#8211; kann das salzige Fleisch als Braten oder Schnitzel gegessen oder geselcht werden.<br><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Schweine- und Rindfleisch hatte man fr\u00fcher eigentlich nur im Winter zur Verf\u00fcgung, da die Au\u00dfentemperaturen eine l\u00e4ngere Lagerung erm\u00f6glichten. Kam im Sommer Fleisch auf den Tisch, dann stammte es vorwiegend von Kleintieren, die nach Bedarf abgestochen wurden. 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