
Auf diesem Gemälde aus dem Jahre 1768 sieht man im Hintergrund, also im Osten der Marktgemeinde Haugsdorf, einen großen Gutshof, den Meierhof. Nach ihm ist auch diese Straße benannt. Als „Meier“ bezeichnete man den Verwalter oder Pächter eines solchen Hofes, der zur direkten Versorgung des Grundherrn diente.
Kurz nach 1637 übernahmen die Freiherrn von Kirchberg dieses Anwesen und sollten über 200 Jahre den Ort Haugsdorf prägen. Ihren Wohnsitz hatte das bedeutende Adelsgeschlecht im Schloss am Kirchenplatz.
In Dokumenten des frühen 19. Jahrhunderts wird bereits der Freiherr von Kirchberg’schen Stiftungsfonds als Eigentümer der Herrschaft Haugsdorf geführt. Nach Aufhebung der Grundherrschaft 1848/49 wandelte sich die Freiherr von Kirchberg-Stiftung zu einer karitativen, zweckgebundenen Stiftung, die bis heute besteht.
Am 1. August 1851 mietete der Gemeindevorstand von Haugsdorf einen Teil des Meierhof-Kuhstalles. Dort wurden drei Pferde, eine Sattel- und Futterkammer für die k.k. berittene Gendarmerie untergebracht. Die in historischen Dokumenten verwendete Bezeichnung „Gendarmerie-Kaserne“ ist mit einem heutigen Polizeiposten vergleichbar.
Im Meierhof befand sich auch das Depot für den Leichenwagen.
1893 wurde die Scheuer, die zur Lagerung und zum Dreschen des Getreides verwendet wurde, zu einem Kindergarten um adaptiert, der bis heute dort etabliert ist.
1895 wurde dem Radfahrclub Pulkautal die Benützung des Meierhofes als Übungsplatz während der Zeit, wo derselbe nicht für Schulzwecke in
Anspruch genommen wurde, gestattet. Unter der alten, mächtigen, schattigen Linde fand nämlich im Sommer der Turnunterricht statt. Ein Teil des Meierhofgartens wurde zum Schulgarten.

Am Christi Himmelfahrtstag 1905 veranstaltete der Haugsdorfer Männer-Gesangs- und Musik-Verein ein einzigartiges Monster-Streichkonzert im Meierhofgarten:
87 Musiker spielten Werke von Johann Strauss, C. M. Ziehrer und weiteren eher unbekannten Komponisten.
1881 wurde in Haugsdorf die freiwillige Feuerwehr gegründet. Das „Feuerwehrhäusel“ stand vorerst neben der Sparkasse am Hauptplatz.

Später übersiedelte das Zeughaus in den „gutherrlichen Schüttkasten“ beim Meierhof. Der Platz links davon (heute Kindergarten) diente bis in die Siebzigerjahre als Übungs- und Exerzierplatz.

1914 wurde an der Straßenfront ein hölzerner Steigerturm errichtet, um dort nach Einsätzen oder Übungen die nassen Schläuche aufzuhängen.

Hitlerjugend am Meierhof
Mitte der 50er-Jahre brachte man im hinteren Teil des Schüttkastens eine Gemeinschaftskühltruhenanlage unter.



Am 19. Mai 1957 fand am Meierhof ein Dekanatsjugendtag unter dem Motto „Jugend Christi – Licht der Welt“ statt.
1995 wurden aus der Gemeinschaftskühlanlage Mannschafts- und Schulungsräume der Feuerwehr. Das Gebäude wurde allerdings immer baufälliger und bot nicht den nötigen Platz für moderne Einsatzfahrzeuge.
Als 2007 das neue Feuerwehrhaus eröffnet wurde, zog die Landjugend ins alte Zeughaus ein und adaptierte die Räume für ihre Zwecke.